»Wir sind rund um die Uhr für die Patienten da«

Der Orthopäde und Bereitschaftsarzt Matthias Träger ist auf einem von sechs Plakatmotiven der Kampagne »Wir arbeiten für Ihr Leben gern.« zu sehen. Im Interview unterstreicht er die Bedeutung des Bereitschaftsdiensts mit der Notrufnummer 116117 und erzählt von seinen Erlebnissen im Notdienst.

»Ich wollte schon immer Arzt werden – das ist immer noch mein Traumberuf!«, sagt Orthopäde Matthias Träger.

Herr Träger, auf Ihrem Kampagnenfoto sind Sie auf dem Weg in eine Bereitschaftsdienstpraxis in Neubrandenburg und tragen einen Koffer. Was ist in dem Koffer?
In dem Koffer sind alle nötigen Notfallmedikamente. Dazu Verbandsmaterial, ein Stethoskop, eine Lampe zum Beurteilen des Mundraums und der Augen sowie ein Blutdruckmessgerät. Natürlich sind auch wichtige ärztliche Papiere wie Rezepte im Koffer. Insgesamt schleppt man da schon so fünf Kilogramm mit sich rum. Im Bereitschaftsdienst habe ich dann meist noch zusätzlich den Laptop dabei, um gleich alles in die Akten zu schreiben.

Was möchten Sie mit Ihrem Einsatz für die Kampagne erreichen?

Ich möchte auf den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst aufmerksam machen und auf die deutschlandweite Notrufnummer 116117. Diese Telefonnummer ist in der Bevölkerung wenig präsent. Wer die Nummer wochentags ab 19 Uhr oder am Wochenende eintippt, kommt in ein Menü, in dem man den jeweiligen Wohnort wählen kann und direkt auf die Nummer des örtlichen Bereitschaftsdienstes weitergeleitet wird. Dort klärt der Anrufer zusammen mit dem Bereitschaftsarzt, wie dringlich die Sache ist und ob man noch fahrtüchtig ist. Dann wird gemeinsam entschieden, ob man in die Bereitschaftspraxis kommt oder der Arzt daheim vorbeischaut.

Können Sie sich noch an Ihren letzten Bereitschaftsdienst erinnern? Oder gibt es eine Schicht, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

In meinem letzten Bereitschaftsdienst hatten von den etwa 30 Patienten mindestens 20 einen grippalen Infekt. Noch einprägsamer war allerdings mein erster Bereitschaftsdienst. Es war ein 1. Januar, ich habe um sieben Uhr morgens meinen 24-Stunden-Dienst angetreten und war die ganzen 24 Stunden nur unterwegs. Ich hatte bestimmt 40 Hausbesuche und jede Menge Fahrkilometer dazwischen. Da war ich schon platt.

Wie läuft denn eine normale Schicht im Bereitschaftsdienst ab?
Da gibt es zwei unterschiedliche Szenarien. Wenn ich in der Bereitschaftspraxis in Neubrandenburg Dienst habe, kommen meist rund um die Uhr Patienten. Der Vorteil dort sind die optimalen Behandlungsmöglichkeiten. Diese Bereitschaftspraxis dient zur Entlastung des Fahrdienstes. Wenn ich dort am Wochenende oder Feiertagen im 24-Stunden-Einsatz bin, fahre ich im eigenen Auto zu den Patienten, die Hilfe benötigen. In Neubrandenburg sind das pro Fahrt so zwischen zehn und 20 Kilometer. Wenn man als Bereitschaftsarzt auf dem Land unterwegs ist, können es auch gut mal 50 oder 60 Kilometer sein. Zwischen den Einsätzen fahre ich immer wieder nach Hause und kann dort auch mal ausruhen. Bis der nächste Anruf kommt.

Wie viele Bereitschaftsdienste leisten Sie im Quartal?

Bei uns in Neubrandenburg leisten die Ärzte in der Regel nur ein bis zwei pro Quartal. Das ist sehr wenig. Generell hängt die Häufigkeit vom Wohnort ab. Außerhalb der Stadt können das bis zu acht Bereitschaftsdienste pro Quartal sein. Das ist übrigens ein Thema, was dringend geklärt werden muss. Für junge Ärzte ist die hohe Anzahl von Bereitschaftsdiensten definitiv kein Grund aufs Land zu gehen.

Niedergelassene Ärzte sind verpflichtet, am Bereitschaftsdienst teilzunehmen. Hätten Sie auch freiwillig teilgenommen?  
Ich habe früher auch freiwillig Dienste als Notarzt gemacht. Jetzt mache ich nur noch den kassenärztlichen Notdienst. Aus Überzeugung, denn das ist eine sehr gute und wichtige Sache.

Haben Sie einen Wunsch an die Patienten, die zu Ihnen in den Bereitschaftsdienst kommen?
Es gibt eine verbreitete Mentalität von Patienten, den Bereitschaftsdienst anzurufen statt zum Hausarzt zu gehen. Einige Menschen nutzen das Angebot aus und sagen sich: »Warum soll ich zum Hausarzt gehen, wenn der Bereitschaftsdienst vielleicht zu mir nach Hause kommt?« Das muss sich dringend ändern, damit genügend Zeit für die wirklich wichtigen Fälle bleibt.

Sind Sie vor einer solchen Schicht angespannter als vor einem normalen Praxistag?
In der Bereitschaftspraxis ist das Normalität, fast wie in der normalen Sprechstunde. Beim Hausbesuchsdienst ist man schon angespannter. Jedes Mal steht die Frage: Was findet man für Bedingungen vor? Es gibt schon mal aggressive Patienten oder Angehörige. Für mich als Mann geht das, aber für Bereitschaftsärztinnen ist das sicher noch schwieriger. Man muss immer ruhig bleiben. Den meisten Patienten geht es schon besser, wenn der Arzt einfach nur da ist. Dann wissen sie, dass ihnen geholfen wird.

Sie sind Orthopäde, haben es während des Bereitschaftsdienstes aber nicht nur mit orthopädischen Fällen zu tun. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe damit keine Probleme. Zum einen habe ich früher als Notarzt gearbeitet. Zum anderen bieten die kassenärztlichen Vereinigungen regelmäßig Weiterbildungen zum Notdienst an. Außerdem gebe ich ehrlich zu, dass ich auch immer ein schlaues Buch dabeihabe: Dort kann ich zum Beispiel nachschlagen, in welcher Dosierung ein bestimmtes Medikament eingesetzt werden sollte.

Was mögen Sie an ihrer Arbeit am liebsten?
Den Umgang mit den Patienten. Als Orthopäde behandele ich Patienten fast jeden Alters: vom Säugling bis zum Greis. Jede Krankheitsgeschichte ist anders und ich freue mich, den Menschen helfen zu können. Ich wollte schon immer Arzt werden – das ist immer noch mein Traumberuf!

Sie sind auch Mannschaftsarzt des Fußballvereins 1. FC Neubrandenburg 04.
Ich mache selbst viel Sport und finde Sport einfach spannend – besonders Fußball und Handball. Neben den Verbandsligafußballern betreue ich auch die Handballer von Fortuna Neubrandenburg. Meistens kommen die Sportler in die Praxis, manchmal bin ich auch beim Training dabei. Zu den Heimspielen im Fußball würde ich auch so gehen, nur aus Interesse.

Viel Freizeit bleibt da ja nicht.
Ich mache ja auch noch jede Menge Berufspolitik, weil ich überzeugt bin, dass man über den Tellerrand hinausschauen und selbst etwas tun muss, um etwas zum Positiven zu verändern. Ich bin Kreisstellenleiter der kassenärztlichen Vereinigung, sitze in der Vertreterversammlung des Landes, bin stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Orthopäden und Unfallchirurgen – und in der gleichen Position beim NVA-Virchow-Bund der niedergelassenen Ärzte. Aber ich habe trotzdem noch Zeit für meine Familie und kann auch mal ein gutes Buch lesen und dabei ein Glas Rotwein trinken.


Was bedeutet »Wir arbeiten für Ihr Leben gern« für Sie?
Ich bin gern Arzt. Und ich will, dass die Leute wissen, dass wir niedergelassenen Ärzte nicht nur in der Praxis für sie arbeiten. Wir sind 365 Tage im Jahr, 24 Stunden rund um die Uhr für die Patienten da. Es ist wichtig, dass wir Ärzte in dieser Kampagne unser Gesicht zeigen und genau diese Botschaft vermitteln. Ich will dadurch auch dabei helfen, junge Kollegen für die Niederlassung zu begeistern und ihnen die Bedeutung des Bereitschaftsdienstes näherzubringen.