Umfrageergebnisse

Wartezeiten unter der Lupe

Wie lange dauert das denn noch? Gar nicht lang: In Deutschland ist die Wartezeit auf einen Facharzttermin im internationalen Vergleich sogar am kürzesten, wie eine internationale Umfrage zeigt. Vier von fünf Patienten (83 Prozent) bekommen innerhalb von vier Wochen einen Termin. Betrachtet man Haus- und Facharztpraxen, gilt sogar: Mehr als drei Viertel der Patienten (77 Prozent) warten maximal eine Woche auf ihren Arztbesuch.

Dauert es in Deutschland zu lange, bis Patienten einen Arzttermin bekommen? In der öffentlichen Diskussion wird das immer wieder vorgebracht. Die neuen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen, die ab Ende Januar 2016 Patienten mit Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin garantieren sollen, haben das Thema gerade wieder auf die Tagesordnung gebracht. Doch die Frage ist: Worum geht es eigentlich in der Diskussion um die Wartezeiten? Wie lange warten Patienten tatsächlich? Von welchen Faktoren hängt die Wartezeit ab? Die Umfrageergebnisse geben, unabhängig vom Einzelfall, einen Ein- und Überblick.

Warum kommt es überhaupt zu Wartezeiten?

Die freie Arztwahl ist ein hohes Gut  und zugleich eine wichtige Säule unserer ambulanten Versorgung. »Freie Arztwahl« bedeutet: Die Patienten in Deutschland können – anders als in den meisten anderen europäischen Ländern – jeden Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchen, egal in welcher Krankenkasse sie versichert sind. Jeder Krankenversicherte hat also, unabhängig von seinem Einkommen oder den Kosten seiner Behandlung, immer und überall den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen. In die Sprechstunden kommen daher oft mehr Patienten, als behandelt werden können, und gute medizinische Betreuung braucht Zeit: so entstehen Wartezeiten. Hier kann auch die zentrale Terminvergabestelle nicht helfen: Denn sie vermittelt keine Wunschtermine beim Wunscharzt – sondern nur den nächsten freien Slot in einer nahegelegenen Praxis.

Wie lang sind die Wartezeiten anderswo?

Vergleichbare Daten zu diesem Thema liefert eine Befragung des Commonwealth Fund aus dem Jahr 2010. Dafür wurden fast 20.000 Personen ab 18 Jahren in Australien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Schweiz und den USA anhand des gleichen Fragebogens interviewt. Die Ergebnisse zeigen: Mit 83 Prozent führt Deutschland dieses Ranking vor der Schweiz und den USA an – in keinem anderen Land bekamen so viele Patienten innerhalb von einem Monat einen Facharzttermin wie hierzulande. In Australien, Frankreich und Norwegen galt das nur für rund die Hälfte der Befragten, auf den letzten Plätzen liegen Schweden und Kanada, wo sogar nur 45 bzw. 41 Prozent binnen der Monatsfrist zum Facharzt konnten.

Anteil der Befragten (in Prozent), die weniger als einen Monat auf einen Termin beim Facharzt warten mussten, Quelle: Commonwealth Fund (2010)

Deutschland liegt hingegen in einer anderen Auswertung hinten: Nur sieben Prozent der Befragten in Deutschland mussten zwei Monate oder länger auf einen Facharzttermin warten – dies wird nur von der Schweiz unterboten, wo fünf Prozent der Patienten so lange warteten. In Kanada hingegen bekamen zwei von fünf Patienten (41%) erst nach zwei Monaten oder später einen Facharzttermin, in Norwegen war es knapp ein Drittel (34%).

Wie lang sind die Wartezeiten in Deutschland?

Die Grafik zeigt, wie lange die Befragten jeweils auf einen Arzttermin warten mussten, Quelle: KBV-Versichertenbefragung 2013

Grundlage dieser Infografik ist die Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Patienten, die im vergangenen Jahr beim Arzt waren – egal ob Hausarzt oder Facharzt – wurden gefragt, wie lange sie bis zu diesem Praxisbesuch warten mussten. Das Ergebnis zeigt: Bei knapp der Hälfte (48%) ging es sogar ganz ohne Wartezeit, acht Prozent der Patienten warteten einen Tag, zehn Prozent zwei bis drei Tage, 11 Prozent bis zu eine Woche. Das bedeutet, dass drei von vier Befragten innerhalb von einer Woche einen Arzttermin bekamen.

Wovon hängt die Wartezeit ab?

Wie lange jemand auf einen Termin warten muss, hängt einmal davon ab, zu welchem Arzt er muss: Beim Hausarzt sind die Wartezeiten deutlich kürzer als bei spezialisierten Fachärzten. Mehr als die Hälfte der Patienten (58%) kommt beim Hausarzt ganz ohne Warten dran. Bei Psychiatern, Kardiologen (die Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandeln) und Frauenärzten warten die meisten Patienten hingegen länger als drei Wochen auf einen Termin.

Die Grafik zeigt, wie lange die Patienten bei welchem Arzt auf einen Termin warten mussten, Quelle: KBV-Versichertenbefragung 2013

Ein anderer Faktor, der die Wartezeit beeinflusst, ist die Art des medizinischen Anliegens. Das Prinzip: Akute, dringliche Fälle werden vorgezogen, Vorsorgepatienten warten länger. So kamen von denjenigen Patienten, die die Praxis wegen eines aktuellen gesundheitlichen Problems aufsuchten, 55 Prozent ohne Wartezeit direkt dran, nur 23 Prozent warteten länger als drei Tage. Umgekehrt war es bei denen, die zur Vorsorge, also zum Beispiel wegen einer Impfung, einen Termin vereinbarten: Von ihnen warteten 57 Prozent länger als drei Tage bis zum Praxisbesuch.

Die Grafik zeigt, wie lange die Patienten – je nach Grund ihres Arztbesuchs – auf einen Termin warten mussten, Quelle: KBV-Versichertenbefragung 2013

Wie sehen das die Patienten?

Quelle: KBV-Versichertenbefragung 2013

Bei der Versichertenbefragung wurde auch erhoben, was die Patienten selbst eigentlich zum Thema Wartezeiten sagen. Deutlich wird: Nur wenige empfinden die Wartezeiten auf einen Termin als problematisch. In allen Befragungen der letzten Jahre lag der Anteil derjenigen, die fanden „Nein, Ich musste nicht zu lange auf den Termin warten“, bei rund 80 Prozent. Ein genauerer Blick in die Daten unterstreicht, dass vor allem die Patienten unzufrieden waren, die mehrere Wochen Zeit bis zum Praxisbesuch einplanen mussten.

Weiterführende Informationen

Auf dem Online-Portal der Kassenärztlichen Bundesvereinigung finden Sie mehr Daten und Fakten zum Thema. Hier finden Sie zudem die aktuelle Patientenbefragung 2015, hier mehr über die neuen Terminservicestellen.